Verknüpfen
Achim Grosser, Karin Schlenker-Gutbrod: Verknüpfen. Jugend- und Konfirmandenarbeit, Freizeit- und Gruppenarbeit, Aktivgruppen gründen Edition im puls, ISBN 3-7615-5515-6, Aussaat Verlag, 288 Seiten.
>> Das Buch kaufen
Die Jugend- und Konfirmandenarbeit aus der gegenseitigen - oftmals lähmenden - Isolation zu befreien und "zusammen zu bringen, was zusammen gehört", dieses Ziel wird in Württemberg schon seit Jahren mit Hilfe besonderer Projekte verfolgt. Die vorliegende Praxishilfe ist das Ergebnis der vom Evangelischen Jugendwerk Württemberg und der Landesstiftung Baden-Württemberg geförderten puls_Projekte "Verknüpfung von Konfirmanden- und Jugendarbeit" (2003-2006) und "Verknüpfung von Freizeit- und Gruppenarbeit" (2004-2006). Was durch die beiden ehemaligen Projektleiter zusammengestellt wurde, ist mehr als die Quintessenz mehrjähriger Praxiserfahrung: durch die Beteiligung von 35 Mitautorinnen und -autoren ist ein Kompendium zeitgemäßer gemeindepädagogischer Vernetzungsarbeit entstanden. Zu jedem Thema werden neben kurzen theoretischen Einführungen konkrete Praxisbeispiele aus Projekten württembergischer Gemeinden geboten. Die Art der Integration der Beiträge von Co-Autoren in die Kapitel und die daraus resultierenden unterschiedlichen Schreibstile und Darstellungsformen, mindern die Lesbarkeit und Übersichtlichkeit des Buches in manchen Teilen, können den guten Gesamteindruck jedoch nur unwesentlich schmälern.
Für die Verknüpfung von Konfirmanden- und Jugendarbeit nennt Karin Schlenker-Gutbrod zwei leitende Ziele: "1. KA und JA tragen dazu bei, dass die Konfirmanden ein positives Bild von Kirche und Glauben gewinnen. 2. KA und JA schaffen Rahmenbedingungen, damit Jugendliche in der Jugendarbeit Heimat finden." Das erste Ziel soll durch die „Gestaltung eines ganzheitlichen Konfirmandenjahres" erreicht werden (Kapitel 2.3). Dazu werden verschiedene Praxisfelder der Konfirmandenarbeit vorgestellt: Begleitung durch Ehrenamtliche, Freizeiten, Gemeindepraktika, Projekte und Aktionen, übergemeindliche Zusammenarbeit, Mitarbeit im Unterricht. Wie Beheimatung der Jugendlichen in der Kirchengemeinde gelingen kann, wird durch Modelle während und nach der Konfirmandenzeit beschrieben (Kapitel 2.4 und 2.5): Konfirmandenarbeit mit festen Kleingruppen, Beteiligung der Jugendlichen bei Gemeindeprojekten und Aktivgruppen, Aufbau von Konfi-Teams, Schulungen für Jugendliche in der Jugendarbeit. Informationen über die Beheimatung von Kindern zwischen KU 3 und KU 8 (Kapitel 2.6), sowie über die Entwicklung einer Konzeption für KA und KA (Kapitel 2.7) runden den ersten Teil des Buches ab. Nicht zu allen aufgeführten Entwürfen sind Praxisbeispiele abgedruckt, die wichtigsten Modelle werden durch konkrete Erfahrungen und Bausteine erläutert.
Im zweiten Teil des Buches geht Achim Großer der Frage nach, worin die Faszination von Freizeiten für Jugendliche besteht und wie diese zu "Knotenpunkten" der Jugendarbeit werden können (Kapitel 3). Aus der Beobachtung, dass Freizeitteilnehmende grundsätzlich "offen für Gruppenarbeit" seien und die Freizeiten oft als "Einstieg in den Glauben" erlebt würden, ergibt sich das Ziel, solche Jugendlichen in der Jugendarbeit aufzufangen um ihnen ein Wachsen im Glauben zu ermöglichen. Als wichtige Faktoren hierbei werden die formale und inhaltliche Planung der Freizeit, die Auswahl geeigneter Mitarbeiter, sowie die Einigung auf gemeinsam zu erreichende Ziele genannt. Eine zentrale Rolle spielten Workshops und Seminare. Sprechen deren Themen und Inhalte die Jugendlichen an, so könnten dadurch "Übergänge in die Gruppenarbeit" geschaffen werden. Bestenfalls würden auf diese Weise aus passiven Teilnehmern selbstverantwortliche aktive Mitarbeiterinnen und -mitarbeiter.
Im 4. und letzten Kapitel werden Modelle rund um das seit den 1990er Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnende KonfiCamp vorgestellt. Der klassische Schnittpunkt zwischen Jugend-, Konfirmanden- und Freizeitarbeit sei von jeher die Konfirmandenfreizeit gewesen. Durch die bezirksweite Zusammenarbeit mehrerer Kirchengemeinden werde beim KonfiCamp und seinen Varianten eine besonders intensive Vernetzung der Arbeits- und Erlebnisbereiche möglich.
Im Anhang des Buches findet sich ein umfangreiches Literaturverzeichnis, Hinweise auf die Internetseiten der Projekte und weitere Weblinks.
Durch die grundlegenden Artikel, die vielen Praxisbeispiele, Bausteine und weiterführenden Hinweise ist dieses Buch allen haupt-, neben- und ehrenamtlichen Mitarbeitern in der Konfirmanden-, Jugend- und Freizeitarbeit zu empfehlen, die eine kompetent konzipierte und angemessen vernetzte Arbeit gestalten wollen. Die individuelle Anpassung der vorgestellten Modelle und Bausteine auf die konkreten Verhältnisse in der eigenen Kirchengemeinde wird jedoch keinem Leser erspart bleiben. Für diese Aufgabe wären weitere, noch zu veröffentlichende Praxismaterialien wünschenswert, die Mitarbeitende in den Gemeinden bei der Einführung von Modellen und - vor allem - der Schulung und Begleitung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort unterstützen.
Thomas Binder, Pfarrer in Wehingen
>> Das Buch kaufen
