Kreuzundquer
kreuzundquer, Impulse für die Konfirmandenarbeit.
Dennerlein, Rothgangel (Hg.)
kreuzundquer, Impulse für die Konfirmandenarbeit.
Vandenhoeck & Ruprecht
Preis Arbeitsbuch und Werkbuch im
Paket: 25,90 Euro
Preis Arbeitsbuch für Konfirmandinnen
und Konfirmanden: 10,90 Euro
ISBN 3-525-61494-2 (Arbeitsbuch)
ISBN 3-525-61496-9 (Werkbuch)
„Leben wahrnehmen – Leben deuten – Leben gestalten“: Mit diesem Dreischritt ist das didaktische Konzept von „kreuzundquer. Impulse für die Konfirmandenarbeit“ benannt. Dahinter verbirgt sich ein stringent auf die Lebenswelt von Jugendlichen bezogenes Konzept für die Konfirmandenarbeit.
Im Unterschied zu manchen Neuerscheinungen der letzten Jahre wird in dieser Co-Produktion zwischen der VELKD und dem Verlag Vandenhoeck & Ruprecht das Anliegen der „Verkreuzung“ von Lebenswelten heutiger Jugendlicher mit Grundfragen des Glaubens durchgehend deutlich. Ziel ist, dass Konfirmandinnen und Konfirmanden Erfahrungen mit Religion machen: „Ausgangspunkt und ständiger Bezugspunkt der Entdeckungsreise ist die Lebenswelt der Heranwachsenden. Sie ist der primäre Ort der Entdeckung von Religion.“ (Werkbuch, S. 9)
Der Perspektivenwechsel hin zur Lebenswelt der Jugendlichen („Wahrnehmen und Entdecken“) wird in „kreuzundquer“ nicht nur angemahnt, sondern didaktisch umgesetzt. Die Texte, Bilder und Symbole des Buches sollen „Erfahrungsräume darstellen, die zu Entdeckungsreisen einladen“. Dass erst im zweiten Schritt – Stichwort „Doppelter Perspektivenwechsel“! - die Jugendlichen mit „Inhalten und Fragen rund um das Kreuz“ konfrontiert werden („Deuten und verstehen“) ist nur konsequent, geht es doch um „das Verstehen des eigenen Lebens und der Lebenswelt mithilfe religiöser Texte“. Dabei räumt das Werk „kreativen Verfahren zur Erschließung religiöser Texte einen Vorrang vor analytischen Verfahren“ ein. Auch im dritten Schritt („Gestalten und Handeln“ – „Was folgt daraus für mein Leben heute?“) soll die „affektive und soziale (therapeutische) Dimension des Lernens Vorrang vor der kognitiven“ gewinnen.
Das Arbeitsbuch für die Hand der Konfirmandinnen verdient seinen Titel. Hier finden sich –entsprechend dem oben Gesagten - weder Textwüsten noch Bilderfluten, sondern viel Platz zum selbst arbeiten, schreiben, malen, gestalten. In 16 Kapiteln werden alle zentralen Themen des christlichen Glaubens behandelt. Didaktischer Ausgangspunkt jedes Kapitels ist nicht ein Topos der christlichen Tradition, sondern Anknüpfungspunkte in der Lebenswelt der Jugendlichen. So beginnt der Baustein „Bekennen, wozu ich stehe“ mit der Erarbeitung dessen, wozu sich Jugendliche heute „bekennen“, und führt über das Bekenntnis bei einer Konfirmation zum Apostolischen Glaubensbekenntnis und dem Bekenntnis zu Christus. Im letzten Schritt wird gefragt: „Woran glaubst du?“ – Wofür lohnt es sich, im Leben einzustehen? - Das Thema „Leid, Kreuz, Tod“ bringt ein Interview mit einer Selbstverletzerin („Ritzerin“), und eine Geschichte über einen „Egoshooter“, Jugendliche, die ihre Schmerzen betäuben oder wegschießen. An diese Erfahrungen knüpft die Beschäftigung mit Hiob und Jesus an. Im dritten Schritt wird gefragt, wie „Trost spenden“ praktisch aussieht.
Das Werkbuch erschließt die Fülle des Materials für den Unterrichtenden in zweifacher Hinsicht: durch Hinweise auf den methodisch-didaktischen Ansatz sowie Ideen und Anleitungen zum Einsatz des Arbeitsbuches und der CD-ROM im Unterricht. Jeder Baustein enthält eine theologische Hinführung, eine Analyse des Themas im Blick auf die Jugendlichen, einen Kommentar zum Arbeitsbuch, sowie „Alternativen, Verknüpfungen und Entfaltungen“. Besondere Erwähnung verdient die beigelegte CD-ROM. Sie enthält neben ergänzenden und alternativen Arbeitsblättern für die Bausteine noch eine Fülle weiterer nützlicher, ausdruckbarer Dokumente: Ideen und Kopiervorlagen für die Konfirmandenzeit, ein Konfi-Quiz, Checklisten für Freizeiten, Elternabende, Formulare für Kontrakte, Ideen für einen Kennenlernabend, einen Patennachmittag und vieles mehr. Diese Materialfülle ist mehr als eine Beigabe, ein echter „Mehr-Wert“.
Diese Vielfalt macht zugleich auch die Grenzen von „kreuzundquer“ deutlich. Die Umsetzung des didaktischen Anspruches ist nicht in allen Kapiteln gelungen. Manche Annäherungen an die jugendliche Lebenswelt scheinen assoziativ, manche anderen wirken konstruiert. Weil der Lernweg in den einzelnen Kapiteln bewusst exemplarisch und elementar aufbereitet ist, wird sich nicht jeder mit der Auswahl und der Verwendung der biblischen Geschichten und theologischen Inhalte anfreunden können. Es wird kein christlicher „Kernbestand“ vermittelt, der unabhängig von der didaktischen Konzeption einsetzbar wäre, sondern versucht, einen religiösen Lernweg aufzuzeigen. Der Einsatz dieses Materials setzt bei den Unterrichtenden die Bereitschaft voraus, den doppelten Perspektivenwechsel methodisch und didaktisch in die eigene Konfirmandenarbeit zu integrieren.
Wer fertig gestaltete Arbeitsblätter für den schnellen Einsatz im Unterricht erwartet, wird enttäuscht werden. Insofern handelt es sich bei „kreuzundquer“ gerade nicht um eine herkömmliche „Mappe“. Der Einsatz des Materials will gut vorbereitet und methodisch-didaktisch an die eigenen Verhältnisse vor Ort angepasst und aufbereitet werden. Schon aus diesem Grund wird „kreuzundquer“ auf manche Unterrichtenden sperrig wirken.
Diese Einsichten schmälern jedoch den gelungenen Gesamteindruck des Werkes keinesfalls. „kreuzundquer“ ist ein anspruchsvolles und lohnendes Unterrichtsmaterial für eine zeitgemäße Konfirmandenarbeit. Die Anschaffung ist auch dann zu empfehlen, wenn man selbst nicht mit dem Werk arbeiten möchte. Von der didaktischen Aufbereitung der Inhalte und der Vielfalt des Materials wird jeder Unterrichtende profitieren.
Thomas Binder